Strategien gegen Mobbing in der Schule!

Mobbing in der Schule ist ein uraltes Problem und bis vor kurzem hatten viele die Einstellung, dass Mobbing eben zum Großwerden dazugehört. Doch Fälle von Schulgewalt - einschließlich der Schulschießerei in der HTBLuVA Wien 5 Spengergasse (AT, 2005) und am Gymnasium Wernigerode (DE, 2013) - zeigen jedoch die schwerwiegenden und manchmal tödlichen Folgen von Mobbing. Die meisten Fälle von Mobbing führen nicht zu einer Schießerei, aber die Folgen von schusswaffenfreiem Mobbing sind deshalb nicht weniger gesundheitsgefährdend. Als Reaktion darauf wenden sich Pädagogen und Politiker an Psychologen wie Dan Olweus, PhD, aus Norwegen, der als Pionier und "Gründungsvater" der Forschung zu Mobbing und Viktimisierung anerkannt ist.


Olweus definiert Schulmobbing allgemein als "wiederholtes negatives, böswilliges Verhalten von einem oder mehreren Schülern, dass sich gegen einen Schüler richtet, der Schwierigkeiten hat, sich selbst zu verteidigen. Mobbing geschieht ohne offensichtliche Provokation seitens des Opfers."


Bereits im Jahre 1993 identifizierte Dr. Olweus in seinem Buch die Merkmale von Schülern, die am ehesten zum Tyrannen werden und diejenigen, die am ehestens als Opfer von Mobbing werden. Mobber neigen zu folgenden Merkmalen:

  • Sie haben ein starkes Bedürfnis andere Schüler zu dominieren und zu unterwerfen, um ihren eigenen Weg zu gehen
  • Sie wirken impulsiv und sind leicht zu verärgern
  • Sie sind oft trotzig und aggressiv gegenüber Erwachsenen, einschließlich ihrer Eltern und Lehrer
  • Sie zeigen wenig Empathie gegenüber ihren Mitschülern, die sie mobben
  • Wenn es Buben sind, sind diese üblicherweise stärker als die durchschnittlichen Jungen ihres Alters

Die typischen passiven und unterwürfigen Opfer haben nach Olweus im Allgemeinen folgende Merkmale:

  • Sie sind vorsichtig, sensibel, ruhig, zurückgezogen und schüchtern
  • Sie sind oft ängstlich, unsicher, unglücklich und haben ein geringes Selbstwertgefühl
  • Sie sind deprimiert und haben manchmal suizidale Gedanken, jedoch häufiger als Gleichaltrige.
  • Sie haben oft keinen gleichaltrigen Freund, sondern können besser mit Erwachsenen
  • Wenn es Buben sind, sind sie üblicherweise körperlich schwächer als die durchschnittlichen Jungen ihres Alters

Diese Merkmale sind wahrscheinlich sowohl eine Teilursache als auch eine Folge des Mobbings. Es gibt jedoch eine andere, kleine Gruppe von Opfer, die dem Muster nicht entsprechen. Sie werden auch provokative Opfer genannt. Sie unterscheiden sich oft von anderen Schülern, manchmal durch ihre äußere Erscheinung (Fettleibigkeit, Haarfarbe, uvm) oder durch ihre kognitive Schulleistung (Lese- und Schreibprobleme, ADHS, uvm). Diese kleine Gruppe von Mobbingopfern reagiert auf Mobbing oft anders (aggressiv, werden selbst zum Mobber, etc) und werden daher von ihren Mitschülern oft gemieden. Manchmal auf von der Lehrkraft selbst. 

Mobber und Opfer nehmen natürlich Schlüsselpositionen in der schulischen Mobbingproblematik ein. Aber auch andere Schüler spielen eine wichtige Rolle. Der "Mobbing Circle" zeigt die verschiedenen Arten auf, auf die Schüler sich am Mobbing beteiligen können. Bestimmte Gruppenmechanismen, wie soziale Ansteckung wurden ebenfalls als förderliche Faktoren identifiziert.

Die aktuelle Forschung hat mehrere Mythen im Zusammenhang mit Mobbing entlarvt, darunter eine die besagt, dass Mobber in der Regel die unbeliebtesten Schüler in der Klasse sind. Dr. Philip Rodkin hat festgestellt, dass gerade in der Sekundärstufe I die aggressiven Buben zu den beliebtesten Jungs der Schule gehören. Ein anderer Mythos ist, dass nachhaltige und aggressive Mobber im Grund ängstliche und unsichere Menschen sind, die Mobbing verwenden, um ihr schwaches Selbstwertgefühl zu verbessern. Olweus kommt zu dem Schluss, dass die meisten Mobber ein durchschnittlich bis gutes Selbstwertgefühl aufweisen. 


Wie oft kommt es nun zum Mobbing? Dr. Nansel analysierte 15.000 Schülerinterviews und fand heraus, dass 17 Prozent alle Schüler in der Sekundärstufe I manchmal oder öfter gemobbt werden. Ungefähr 19 Prozent gaben an, dass sie andere manchmal oder öfter gemobbt haben im vergangenen Schuljahr. Zirka 50 Prozent der Mädchen gaben an, dass sie hauptsächlich von Jungs gemobbt werden. Nicht überraschend ist, dass die weiblichen Mobber eher mental als körperlich mobben. Sie setzen eher subtilere und indirektere Formen des Mobbings ein (Ausschließen aus einer Gruppe, Verbreiten von Gerüchten, Manipulieren von Freundschaftsbeziehungen, uvm.) Diese Formen des Mobbings sind nicht so leicht zu identifizieren, als wenn ein Junge immer wieder mit blauen Flecken oder Verletzungen nach Hause kommt. Doch sie sind schädlicher und belastender für die Opfer.

Präventionsprogramme und ihre Wirkung

Olweus Forschung hat zur Entwicklung der Olweus Mobbing Präventionsprogramme geführt. Dabei handelt es sich um ein umfassendes und mehrstufiges Programm, das Mobbing unter Schülern in Volks-, Mittel- und Höheren Schulen reduzieren bzw. sogar verhindern soll. 

Mit ausreichender Regierungsunterstützung wird das Programm an allen Schulen in Norwegen angeboten. Auch eine zunehmende Anzahl an US-Schulen nutzen das Programm, dass als eines von weltweit 11 wirkungsvollen Modellprogrammen gegen Mobbing an Schulen identifiziert wurde. In den letzten 20 Jahren wurde das Modell ausreichend angewandt, um die Effizienz und Effektivität in der Praxis zu erforschen. In der Regel senkt das Programm im Einsatz 30-50% der Mobbingfälle an Schulen. Schüler berichteten dadurch ein weniger häufiges antisoziales Verhalten, weniger Vandalismus, Diebstahl, Trunkenheit und  Schulschwänzerein. Dafür jedoch eine signifikante Verbesserung des sozialen Klimas in der Klasse. Die Lehrer berichten über Ordnungsinn bei den Schülern, bessere Disziplin und eine allgemein positivere Einstellung gegen dem Lernen und der Schule. 

Schulversuche in England haben ebenfalls sehr gute Ergebnisse in den letzten Jahren erzielt. 

Das Olweus-Präventionsprogramm

Das Programm basiert auf vier Grundprinzipien. Diese Prinzipien beinhalten die Schaffung eines Umfeldes (Schule und Zuhause), das durch folgende Faktoren gekennzeichnet ist: 

  • Wärme und positives Interesse und Beteiligung von Erwachsenen
  • feste Grenzen für inakzeptables Verhalten
  • konsequente Anwendung nicht strafender, nicht-körperlicher Sanktionen für inakzeptables Verhalten und Verstoß gegen Regeln
  • Erwachsene, die als Autoritäten und positive Vorbilder fungieren. 

Das Programm funktioniert sowohl ind er Schule, als auch im Klassenzimmer und auf individueller Ebene. Wichtige Ziele sind Chancengleichheit und die Belohnungsstrukturen bei Mobbing zu verändern. Der Slogan dazu lautete 2004 an einer US-Schule "Take a Stand. Lend A Hand. Stop Bullying Now!". Ein Slogan mit gleicher Aussage an deutschsprachigen Schulen könnte daher sein "Bezieh Stellung, hilf anderen! Gib Mobbing keine Chance!"

Maßnahmen auf Schulebene können sein

  • Erhebung mittels Fragebogen, Status Quo zu Mobbing an der Schule
  • Workshop mit Diskussion und Besprechung der Ergebnisse (Erhebung)
  • Anti-Mobbing-Kampange
  • Umgestaltung von Pausenräumen und Schulhof
  • Interne Lehrerfortbildung um Werkzeuge und Methode zu erlernen
  • Themenbezogene Workshops für Lehrer und Eltern
  • 1. Hilfe Telefon der Eltern (Telefonkette)

Maßnahmen auf Klassenenben

  • Vereinbarung von Klassenregeln inkl. Konsequenzen
  • Lösungsorientierte Gespräche mit Eltern der Opfer/Mobber
  • Praktische Rollenspiele für Schüler (systemischer Ansatz)
  • Schüler-Workshops (Wissen, Fallvignetten, uvm.

Maßnahmen auf der persönlichen Ebene

  • Eltern-Workshops für indirekte Verhaltensändern: Steigerung des Selbstwertgefühles ihrer Kinder (Mobbingopfer) oder Verringerung von sozialem Fehlverhalten (Mobber). 
  • Lehrer-Workshops für Coaching in der Schule. Damit gelingen auch ernsthafte Elterngespräche und Täter-Oper-Gespräche
  • Schüler-Workshops um die Beteiligung der übrigen Schüler am Mobbing zu unterbinden.

Lee McPea bietet hierfür Eltern, Lehrer und Schülerworkshops an, die bei der Reduktion von Mobbingfällen an Schulen helfen. Kontaktieren sie uns für Fragen und Anliegen kostenlos unter 0800 66 55 80 (Österreich) oder schreiben sie uns ein E-Mail an lee@igumps.com

Wir bieten für Eltern auch eine Einzelberatung an, in der sie persönlich mit einem unser Berater aktuelle Anliege und Wünsche bearbeiten können. Für Eltern, denen Anonymität und Effektivität am Herzen liegt, empfehlen wir die persönliche Beratung. Mehr Infos

Olweus über Mobbing

Olweus über sein Programm

Wie es Norwegen schaffte

Das Programm in der Praxis

Lee McPea Schüler-Workshops. Buchbar über Schulen oder den Elternverein.

4 Unterrichtseinheiten für € 35,- pro Schüler

"Mental Busters"

Dieser Workshop bietet eine Einführung in die psychische Gesundheit und ist auf die Zielgruppe ausgerichtet. Wieviel weißt du wirklich darüber? Dieses ist eine Präsentation der Wahrheit über mentale Gesundheit und räumt die Mythen darüber aus. Die Kinder und Jugendlichen erfahren mehr über die Risiken, mögliche Gefahren und worauf sie selbst achten können. Das Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche lernen ihre Emotionen zu identifizieren und anderen mitteilen können. Aus der Diagnostik wissen wir, dass gerade das eine Fähigkeit ist die hilft, die eigene mentale Gesundheit zu bewahren. 

"Stigma-Was?"

Du lernst Missverständnisse zu bekämpfen. Jugendliche und Erwachsenen schildern immer wieder, dass ihre Lernprobleme weniger frustrierend waren, als die Stigmatisierung, die sie aufgrund dieser Beeinträchtigungen erlebt haben. Du erlernst in dem Workshop wie du Missverständnisse ausräumen kannst und was Stigmatisierungen anrichten können.

"Stress Ade"

Entspannt bleiben, wenn das Leben wieder einmal schneller wird. Entdecke, wie bei dir Stress entsteht und wie du ihn reduzieren kannst. Damit erlernst du wichtige Fähigkeiten, die dir im Schulalltag und im späteren Leben dienlich sein werden. 

Teilnehmer: Schüler ab dem 9. Lebensjahr. Mindestens 20 Schüler, maximal 30 Schüler pro Workshop.

Lee McPea Lehrer-Workshops

"Mentale Gesundheit an Schulen"

4 Stunden zu € 45,- pro Lehrer

Jeder zweite Schüler hat bzw. wird seine Erfahrungen mit mentalen Krankheiten sammeln. Wie können sich Lehrer bei dieser Herausforderung unterstützen? Entwicklungsstörungen, Lernschwächen und andere Krankheiten und Probleme von Schülern werden erarbeitet und die Interventionsfähigkeiten von Lehrern werden trainiert. Lernen sie ihren Schülern zu helfen, ohne dass sie selbst mitleiden oder in Konflikte mit Eltern und Vorgesetzten geraten.

Aktuelle Termine: 

26.07.2018 9:30-13:45 oder
 23.08.2018 9:30-13:45

Webbasierte Selbsthilfe-Programme

Für Eltern, die nicht an einem Workshop in Wien teilnehmen können, oder aus familiären Gründen keine Gelegenheit daran teilzunehmen, stellen wir aktuell ein Programm webbasiert zur Verfügung.

Sie durchlaufen ein strukturiertes Programm binnen acht Wochen und erarbeiten sich Dinge mittels Videos, Lesestoff zum Drucken und Übungen. Ähnlich wie in einem Selbsthilfebuch, können sie sich den Ort und die Zeit für die Inhalte frei einteilen. Doch im Unterschied zu manchen Selbsthilfebüchern, ist unser Programm von internationalen Kinder- und Jugendpsychologen entwickelt und bringt bei vollständiger Anwendung auch tatsächliche Ergebnisse. 

Mehr dazu