Väter sind wichtig! (Teil 2)

Sind sie ein Vater? Fragen sie sich nach dem 1. Teil des Beitrages, was eigentlich ihre Rolle ist in der Kindererziehung? Wenn ja, erlauben sie mir meine Überlegungen über die Vaterrolle in unserer Gesellschaft fortzusetzen. 

Im 1. Teil habe ich die Frage nach der Funktion des Vaters aufgeworfen und vorgeschlagen, dass die Funktion des Vaters darin besteht, einen Menschen in die soziale Verantwortung zu begleiten. Diese Begleitung ist für den Vater jedoch keine passive, wie sie oft in der Praxis beschrieben wird, sondern eine recht aktive. Was bedeutet nun diese aktive Rolle und wie funktioniert das in der Praxis? Hier meine Erklärungen.

Das Wort des Vaters ist Gesetz

Am wichtigsten an der Rolle des Vaters ist, dass er die Wahrheit spricht. Spricht er die Wahrheit, hat sein Wort in der Familie Bedeutung. Er steht zu seinem Wort und sein Verhalten spiegelt seine eigenen Worte als Gesetze wieder. Diese Worte sind vergleichbar mit dem Gesetz. Wenn in unserer Gesellschaft jemand gegen Gesetze verstößt, bekommt er die Konsequenzen gleich dazu. Die Konsequenzen sind daher auch in der Familie wichtig und der Vater ist verantwortlich für die Einhaltung seiner Regeln und Erteilung von Konsequenzen.

Das Ganze funktioniert jedoch nur, wenn eben der Vater sich auch selbst an seine Regeln hält. Ein gutes Beispiel an der Stelle ist die häufige Diskussion von Eltern mit ihren Teenagern zum Thema "Rauchen". Oftmals geraten Teenager noch vor der Erreichung des gesetzlichen Mindestalters in die Versuchung zu rauchen. Predigt nun der Vater, dass Rauchen ungesund ist und der Teenager das lassen soll, haben seine Worte mehr Gewicht, wenn er selbst Nichtraucher ist. Ist der Vater selbst Raucher weicht sein Verhalten massiv von seinen eigenen Regeln ab. Damit verwirrt er nicht nur sein Kind, sondern stellt sich damit auch noch selbst in Frage. Der Vater ist gescheitert in der Vermittlung von sozialer Verantwortung.

Wenn der Vater vermisst wird

Nicht jeder ist so glücklich wie zuvor beschrieben. Ein hoher Prozentsatz von Jugendlichen, Erwachsenen und Kindern, die in die Beratung kommen, kämpfen entweder mit ihrem Vater oder haben einen Vater, der abwesend, nicht verfügbar, missbräuchlich oder desinteressiert war/ist.

Dieses gilt insbesondere, aber nicht nur, für Menschen die mit Psychosen, Autismus, Sozialphobien oder selbstverletzendem Verhalten zu kämpfen haben. Das heißt jetzt nicht, dass die Väter für diese Probleme verantwortlich sind! Vielmehr bedeutet es, dass die Vaterschaft wichtig für die mentale Gesundheit von Kindern und ihre mentale Entwicklung ist.

Wir bewegen uns hier auf einer Skala, die einem Thermometer gleicht. Die Abwesenheit von mentaler Krankheit bedeutet nicht automatisch mentale Gesundheit (Definition WHO). Die Rolle des Vaters ist ein Faktor dafür, ob sich im Menschen das Risiko für mentale Krankheit entwickelt, oder ob Resilienz entsteht und damit eine gute Voraussetzung für mentale Gesundheit geschaffen wird. 

So machen sie es richtig

#1

Sagen sie zu ihren Kindern auch einmal "Nein", besonders wenn sie gegen soziale Normen, Sicherheiten und das Gesetz verstoßen. Das Festlegen angemessener Grenzen ist ein wesentlicher Teil ihrer Vaterolle und bereitet ihre Kinder darauf vor, in einer Welt zu leben in der die Handlungen auch Konsequenzen haben und in der man Verantwortung für das eigene Tun übernehmen muss. 

#2

Verteile Konsequenzen, keine Strafen. Konsequenzen können sowohl positiv als auch negativ sein, je nachdem ob eine Regel eingehalten wurde oder missachtet. Seien sie sicher, dass sie bei Kindern bis zum Ende der Pubertät die Konsequenzen ankündigen. Erst nach der Ausbildung des präfrontalen Kortex können wir Menschen die Folgen unserer Taten selbst einschätzen. "Wenn du X machst, wird Y folgen" ist eine sachliche Vermittlung eines Zusammenhanges, den ihr Kind noch nicht alleine herstellen kann. Noch einmal, Konsequenzen - keine Strafen.

#3

Finden sie angemessene Konsequenzen. Diese hängen immer mit der "Tat" zusammen. Die heutzutage wohl gängigste Strafe ist das "Handyverbot". Redet das Kind zurück oder lernt nicht für die Schule, bekommt es Handyverbot. Ihr kennt lernt mit diesem Zusammenhang nur, dass sie es bestrafen, wenn es die Regeln nicht befolgt. Es entwickelt dadurch die falsche Motivation, nämlich der Bestrafung zu entgehen, aber nicht sich ihnen gegenüber respektvoll zu benehmen.

#4

Gehen sie mit gutem Beispiel voran. Dieses ist wahrscheinlich das wichtigste Werkzeug, das sie als Vater zur Verfügung haben. Modellieren sie ihr eigenes Verhalten und beeinflussen sie damit das Verhalten ihres Kindes. Sie können nicht erwarten, dass sich ihr Sohn daran hält keine anderen Kinder zu schlagen, wenn sie ihn schlagen sobald er Regeln nicht einhält. Auch ein kleines Augenrollen oder ein Piesacken ist nicht in Ordnung, wenn sie dieses Augenrollen und Piesacken bei ihrem Kind nicht beobachten wollen. 

#5

Zeigen sie Zuneigung und beschäftigen sie sich mit ihrem Kind. Liebe und Zuneigung ist eine gute Basis um Vertrauen aufzubauen. Gibt es einen besseren Weg, als Zeit mit seinem Kind zu verbringen?