Väter sind wichtig! (Teil 1)

Egal, ob sie gerade Vater geworden sind und sich noch in ihrer Rolle zurechtfinden müssen, oder ob sie bereits seit einigen Jahren die Rolle innehaben, sie sind ein wichtiger Teil im Leben ihres Kindes. Doch in Zeiten, in denen sich traditionelle Familienstrukturen verändern und es auch für Väter zunehmend attraktiver wird eine Auszeit vom Beruf zu nehmen, scheint die Rolle des Vaters jedoch zunehmender gefährdeter. Oft werden die Aufgaben des Vaters in der Erziehung durch die Genderbewegung aufgeweicht oder auch als "veraltet" angesehen. Doch die Rolle des Vaters ist essenziell für die psychische Entwicklung ihres Kindes.

Wie der Vater, so der Sohn

Denken sie einmal über die Beziehung nach, die sie mit ihrem Vater hatten, als sie noch jung waren. Gehören sie zu den glücklichen Lesern, die auf eine Kindheit mit einem präsenten Vater zurückblicken können. Einem Vater, der sie unterstützt hat, streng aber fair war und ermutigend aber autoritär sein konnte? Dann hatten sie ein Vorbild, das durch seine kleinen menschlichen Fehler keinen negativen Einfluss auf ihre Psyche hatte und ihnen dienlich für die Erfüllung ihrer eigenen Vaterrolle war.

Werden sie mit einem solchen Vorbild nun selbst Vater, ist es nicht unbedingt so, dass sie genauso werden wir ihr eigner Vater. Sie werden ihm ähnlich werden, aber zusätzlich ihren eigenen Stil entwickeln. Es ist also einfach ein guter Vater zu sein, wenn man selbst einen solchen guten Vater hatte. Ich gratuliere ihnen!

Wenn der Vater vermisst wird

Nicht jeder ist so glücklich wie zuvor beschrieben. Ein hoher Prozentsatz von Jugendlichen, Erwachsenen und Kindern, die in die Beratung kommen, kämpfen entweder mit ihrem Vater oder haben einen Vater, der abwesend, nicht verfügbar, missbräuchlich oder desinteressiert war/ist.

Dieses gilt insbesondere, aber nicht nur, für Menschen die mit Psychosen, Autismus, Sozialphobien oder selbstverletzendem Verhalten zu kämpfen haben. Das heißt jetzt nicht, dass die Väter für diese Probleme verantwortlich sind! Vielmehr bedeutet es, dass die Vaterschaft wichtig für die mentale Gesundheit von Kindern und ihre mentale Entwicklung ist.

Wir bewegen uns hier auf einer Skala, die einem Thermometer gleicht. Die Abwesenheit von mentaler Krankheit bedeutet nicht automatisch mentale Gesundheit (Definition WHO). Die Rolle des Vaters ist ein Faktor dafür, ob sich im Menschen das Risiko für mentale Krankheit entwickelt, oder ob Resilienz entsteht und damit eine gute Voraussetzung für mentale Gesundheit geschaffen wird. 

Ein Vater ist wichtig

Väter spielen von Geburt an eine entscheidende Rolle für das Wachstum und die Erziehung der Kinder. Denken sie einige Jahrtausende zurück: Kinder ohne Vater wurden in sozialen Gruppen zum Außenseiter. Es fehlte der Beschützer. Mütter suchten sich zum Schutz der Familie schnell Ersatz. Die mitgebrachten Kinder wurden geduldet, aber nicht als eigene Kinder betrachtet. 

Heute ist die physikalische Macht des Vaters zum Schutz der Kinder nicht mehr notwendig und Mütter schaffen es auch als Alleinverdiener und -erzieher ihre Kinder zu beschützen. Doch für die Erziehung des Kindes hat ein Vater noch immer die wichtige Rolle die emotionale Stabilität in der Familie zu wahren. Die Mutter mit ihrem Baby benötigt einen Partner, der emotionale Unterstützung in der Erziehung des Kindes bietet. Heutzutage erlebe ich zunehmend, dass diese Rolle von männlichen Verwandten übernommen wird, wenn der Vater seine Rolle unzureichend oder überhaupt nicht wahrnimmt. 

Oft kämpfen Väter und Mütter im ersten Lebensjahr ihres Kindes mit postnatalen Angstzuständen, Depressionen und anderen Beeinträchtigungen der mentalen Gesundheit. Der Grund ist die Unsicherheit mit der neuen Situation: Prioritäten verschieben sich. Risikogruppen für mentale Krankheiten, die zuvor nie Symptome gezeigt haben, entwickeln in dieser Zeit ihre ersten Schübe. Wichtig ist es in der Zeit, sich einzugestehen, dass externe Hilfe in der Form von zum Beispiel psychologischer Beratung notwendig ist, um das gewohnte Level an Wohlbefinden wiederherzustellen. Gerade ein Baby versteht nicht, weshalb der Vater die emotionale Stabilität der Familie nicht wahren kann. Eine Stabilität, dass es selbst im ersten Lebensjahr bereits benötigt.

Was bedeutet es Vater zu sein?

Um ein Vater zu sein, bedarf es mehr als ein Kind zu zeugen. Nur weil sie ein Kind gezeugt haben, heißt das nicht gleich automatisch, dass sie auch ein Vater sind. Daher ist es wissenschaftlich belegbar, dass die Tatsache eines Stiefvaters in der Vaterrolle keinen Effekt auf die mentale Entwicklung des Kindes hat (sofern er die Vaterrolle zur Gänze übernimmt).

Eine der Hauptaufgaben des Vaters ist es, die Regeln in der Familie festzulegen und auf ihre Einhaltung zu achten. Auch die Erziehung in die soziale Verantwortung ist eine wichtige Aufgabe der Vaterrolle. Beispiele dafür sind die Unterscheidung von "richtig und falsch" oder "gut und schlecht". Aber auch andere kulturelle "Regeln" werden durch den Vater vermittelt. In unserem Kulturkreis fällt mir spontan das Grüßen ein, aber auch das Danke-Sagen. Aus der Elternberatung weiß ich selbst nur zu gut, dass diese kulturellen Werte oft vernachlässigt bzw. von den Vätern nicht ausreichend konsequent eingefordert werden. Durch diesen Teil der Erziehung ihres Kindes festigen sie die moralische Einstellung und die Einhaltung von sozialen Regeln in ihrem Kind. Wichtige Erfolgsfaktoren für das spätere Leben als Erwachsener. 

Fortsetzung folgt ..